Die 6 häufigsten Fragen zum SK-Prinzip, kurz beantwortet

Ein FAQ zum Systemischem Konsensieren

Neue Ideen brauchen einige Zeit zum Verdauen. Wir haben für euch die häufigsten Fragen aus unseren Seminaren gesammelt und beantwortet.

Deine Frage ist nicht dabei? Schreib uns eine Mail an info@systemisches-konsensieren-belrin.de und wir nehmen sie im nächsten Update auf!

  1. Warum werden keine Pro Stimmen benutzt?

Widerstand, der sich nicht im System ausdrücken kann...Ziel des Konsensierens sind Lösungen, die für die Gruppe eine hohe Akzeptanz haben. Der Fokus auf Präferenzen, ob durch Pro Stimmen oder die Frage nach der Lieblingsvariante führt erfahrungsgemäß zu ganz anderen Resultaten: Die Gruppe wird in konkurrierende Lager gespalten, es wird gefeilscht und um die Durchsetzung der eigenen Lösung gekämpft. Welches Konfliktpotential in einer möglichen Lösung steckt bleibt unerkannt, bis es an die Umsetzung geht – und die Verlierer der Abstimmung werden

  1. Warum werden dann Widerstandsstimmen benutzt?

Würden wir direkt nach der Akzeptanz fragen wären wir schnell wieder bei den individuellen Wunschlösungen. Stattdessen messen wir das Konfliktpotential, das ein Vorschlag beinhaltet. Man kann sich vorstellen, dass sich Bedürfnisse, die durch eine Lösung nicht erfüllt würden, in inneren Widerständen äußern. Und das lässt sich an den W-Stimmen direkt ablesen.

  1. Kommt am Ende nicht ein lascher Kompromiss heraus?

Kompromisse oder „der kleinste gemeinsame Nenner“ entstehen meistens dadurch, dass an einem Vorschlag so lange rumgefeilt wird, bis alle einigermaßen mitgehen können. Beim Konsensieren wird zunächst kreativ nach Lösungen gesucht. Unter den vorstellbaren und
befriedigenden
Lösungen sucht die Gruppe diejenige mit den wenigsten unangenehmen Begleiterscheinungen. Vorschläge, die das Problem nicht zufriedenstellend lösen werden durch Widerstand abgewertet.

  1. Was ist wenn es wirklich nur zwei Optionen gibt: Entweder ja oder nein?

MBR_WennDirNur1L+Âsung_farbig-1Wir sind es durch jahrelanges Konditionieren gewöhnt, in Schwarz-/Weiß-Kategorien zu denken: Ja oder nein, rechts oder links, gewinnen oder verlieren. Die Wirklichkeit ist wesentlich komplexer, wir müssen es nur erkennen. Deswegen geht es im Konsensieren immer um offene W-Fragen: Wie, wann, wo, womit, …

Konflikt-behaftete Entscheidungen über ein Entweder/Oder lassen sich mit ein bisschen Kreativität leicht zu einer W-Frage öffnen. Aus „Wollen wir, dass Paul bei uns einzieht?“ wird dann „Wie wollen wir mit Pauls Anfrage umgehen, bei uns einzuziehen?“. Dadurch wird die kreative Lösungssuche überhaupt erst ermöglicht.

  1. Wo haben Diskussionen Platz?

Idealerweise genau dort, wo die Gruppe sie haben möchte!

Austausch in der Gruppe ist sinnvoll, damit alle ein genaues Bild von der Situation haben. In den Moderations-Prozessen, zum Beispiel im Vertieften Konsensieren, ist Platz für Austausch auf der Sachebene und das offenlegen individueller Anliegen sowie der Einschätzung von möglichen Vor- und Nachteilen der einzelnen Vorschläge.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in einer erfahrenen Gruppe immer weniger Diskussion braucht, je mehr diese klare Struktur verinnerlicht wird. Wenn weiterer Diskussionsbedarf besteht kann der Prozess aber jederzeit durch Schnellkonsensieren angepasst werden.

  1. Sollte eine gute Idee nicht auch mal polarisieren?

Wenn man zum Beispiel ein Design entwickelt und Aufmerksamkeit erregen will: Auf jeden Fall!

Die Frage ist eher: Entscheiden wir uns als Gruppe gemeinsam für eine polarisierende Lösung – oder ist es der Wunsch einzelner? Denn auch die Entscheidung für eine unbequeme Lösung sollte im Idealfall durch die Gruppe getroffen werden.


Kommentare

Die 6 häufigsten Fragen zum SK-Prinzip, kurz beantwortet — 2 Kommentare

  1. Bei dem SK-Prinzip handelt es sich offensichtlich bloß um eine Benotung von Alternativen. Ob die Skala bei 0 oder 1 beginnt, kann wohl keine Rolle spielen.
    Die Widerstands-Interpretation bietet höchstens einen psychologischen Effekt, den zu messen etwas schwierig ist, weil man dieselbe Wahl zweimal durchführen müßte – einmal mit der Widerstands-Interpretation und einmal, indem man die Wähler einfach auffordert, die Alternativen zu benoten.
    Was die Bundestagswahl betrifft, so bin ich auch für ein Benotungs-System. Ob das Ergebnis dann zu einer Minderheitsregierung führen soll oder wie bisher Koalitionsregierungen erlaubt sein sollen, ist eine ganz andere Frage.
    MfG
    – Eduard Lukschandl

  2. Hallo Herr Lukschandl,

    ja, es ist ein System um Alternativen zu bewerten. Allerdings ist das Kriterium für die Bewertung (wieviel widerstand habe ich, wie groß sind meine Bedenken,wieviel Bauchschmerzen bereitet mir die Lösung,…) ungewöhnlich, dafür lohnt es sich,das Systemische Konsensieren selbst zu erleben- insbesondere wegen der subjektiven psychologischen Auswirkungen.
    Im Kern ist es aber keine große Zauberei, sonst könnte es nicht universell eingesetzt werden. Man braucht nur das Handwerkszeug und als Moderation Erfahrung mit den unterschiedlichen Konstellationen und Vorgehensweisen.

    Liebe grüße, Markus Castro

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