SK an drei Abenden: Ein Erfahrungsbericht von PeaceOfLand

Unser Gartenprojekt Peace of Land hatte sich gewünscht, an drei Abenden das SK-Prinzip anwenden zu lernen und Adela Mahling von den Konsenslotsen war  bereit, es uns zu zeigen. Ich hatte schon mal vor dem Workshop ein wenig in einem SK Buch geblättert. Damals erschien es mir eher sehr technisch zu sein, mit diesen ganzen Zahlen und Prozenten, ich hatte aber auch den Eindruck, dass – anders als die herkömmlichen Methoden – dieser Prozessmehr Vielfalt zulässt, indem alle Vorschläge mit in die Bewertung aufgenommen werden und meine Stimme genauso viel wiegt wie jede andere. Ich fand SK auch spannend, weil es in so vielen unterschiedlichen Situationen angewandt werden konnte, im Alltag (z.B. welches Bild wollen wir an die Wand hängen?), in der Familie (z.B. Was machen wir am Wochenende?) oder in Teams und Gemeinschaften (z.B. Wie gestalten wir unsere Gesprächskultur?).

 

  1. Abend:

Nach einer kurzen Einführungsrunde, wo jede*r ihre/seine Erfahrung & Motivation den anderen mitteilte und einem kurzen Einstieg in die Theorie ging es sofort in die Praxis. Da wir ein Gemeinschaftsgartenprojekt sind, hatte sich Adela für uns ein fiktives Szenario ausgedacht: Was machen wir mit den 10.000€ Sponsorengelder die wir von einem großzügigen Spender erhalten haben?

Bevor es mit den Vorschlägen los ging machten wir eine Inforunde, um alle auf den gleichen Stand zu bringen und anschließend eine Wunschrunde, wo Wünsche an eine gelungene Lösung gestellt wurden.

Diese beiden Runden bereiteten unserer Gruppe darauf vor, die bestmöglichen Vorschläge zu entwickeln. Anschließend gab es ein 10 minütiges Brainstorming in Kleingruppen zur Erarbeitung von Vorschlägen, welche der Gesamtgruppe vorgestellt wurden. Dann wurde bewertet. Jede*r erhielt ein Abstimmungskärtchen. Die so genannte Passivlösung, also das Geld nicht anzunehmen, kam auch mit hinein. Da die Bewertung nicht anonym verlief konnten wir genau verfolgen, wer welchem Vorschlag eher kritisch bzw. ablehnend gegenüberstand. Es wurde für uns deutlich, dass Widerstände oft auch wertvolle Infos enthalten, die es zu berücksichtigen gilt Nach einer ersten Bewertungsrunde  entwickelten und entschieden wir uns für einen kombinierten Vorschlag und waren sowohl mit dem Ergebnis, als auch mit dem Prozess zufrieden, konnten uns vorstellen, ihn anzuwenden und sahen, wie die Anliegen einzelner in die Lösungserarbeitung einflossen.

 

  1. Abend:

Am 2. Abend bekamen wir die Möglichkeit, das sogenannte Schnell-Konsensieren zu üben. Beim Üben brauchten wir allerdings zunächst Zeit bis eine Entscheidung getroffen wurde. Den scheinbar einfachen Prozess zu moderieren erforderte an vielen Stellen Umgewöhnung in Sprache und Denken. Es fiel der Moderation auch oft nicht so leicht, plötzlich diese Rolle zu verlassen und sich selbst zu ihren Widerständen zu befragen. Am Ende waren aber alle froh, es einmal ausprobiert zu haben. Richtig spannend wurde es bei der Einführung des Stapelns von Vorschlägen um einen Prozess sauber zu moderieren: Was passiert, wenn zu inhaltlichen Vorschlägen plötzlich Vorschläge über das weitere Vorgehen hinzukommen? Dann gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren, diese mit Hilfe der Gruppe zu identifizieren und zur Entscheidung zu bringen, bevor es mit dem ursprünglichen Thema weitergeht. Denn eine Entscheidung auf einer höheren Ebene (z.B. „Wir überlassen die Entscheidung jemand anders“) könnte alle anderen Vorschläge darunter beeinflussen.

 

  1. Abend:

Am 3. Abend übten wir uns in der Formulierung der passenden Frage, die den Vorschlägen vorausgeht. Die Frage bestimmt über die Qualität einer Entscheidung. Dabei hatte ich ein richtiges Aha-Erlebnis, als ich erkannte, dass die passende Frage eher einfach als komplex ist und auf einer Ebene angesiedelt ist, die eine größtmögliche Vielfalt an Vorschlägen zulässt. Nach drei Abenden fühlten wir uns gut gerüstet und gleichzeitig auch motiviert, weitere Abende zu buchen um noch tiefer einzusteigen in diese spannenden Dynamiken.

Nach dem Workshop brannten wir darauf, es auszuprobieren. So wussten wir nun, dass die Frage nach möglichen Einwänden möglichst positiv formuliert wird, also statt ‘wer ist dagegen?’ zu ‘wie hoch ist dein Widerstand für den Vorschlag x?’. Nun konnten wir auch mit der 3er Skala arbeiten, was selbst die Gruppenmitglieder schnell begriffen, die selbst nicht am Workshop teilgenommen hatten. Das ausführlichere Konsensieren mit der 10er Punkteskala haben wir bisher im Plenum erst einmal verwendet, als es um eine wichtige Entscheidung ging, aber nur wenige von uns anwesend sein konnten. Diejenigen, die nicht zum Plenum kommen konnten, hatten zuvor ihre Widerstände den anderen mündlich mitgeteilt, so dass am Ende eine tragfähige Entscheidung getroffen werden konnte, mit der alle zufrieden waren.

 

Was mir am SK gut gefällt: Es erlaubt auch Menschen, die sich sonst eher nicht so trauen ihre Meinung zu sagen oder sich lieber im Hintergrund halten, am Entscheidungsgeschehen mit teilzuhaben. Dabei spielt es keine Rolle, ob mein Widerstand mit einem gut nachvollziehbaren Fakt belegt werden kann oder ob es einfach meinem Bauchgefühl entspringt. Das ist besonders hilfreich für Menschen, die eher mehr Zeit brauchen, um sich eine Meinung zu bilden. Manchmal ist das Bauchgefühl da halt schneller.

Mir stellte sich allerdings die Frage: Ist das SK-Prinzip auch jenseits von Plena und Rederunden im Alltag praktisch anwendbar? Da unser Gartenprojekt in Arbeitskreisen organisiert ist, dachte ich mir, ich probiere es einfach mal in meinem Arbeitskreis Komposttoilette bauen aus. Ich war überrascht, wie einfach es doch ist, SK auch hands on, quasi während des praktischen Tätigseins, anzuwenden.. Es war für uns alle erheiternd, die Frage nach den Widerständen zu stellen und uns Zahlen zuzurufen, während wir Bretter, Schrauben und Werkzeug hin-und her reichten und unsere Vorschläge darstellten. Das SK passte super zu unserem eher intuitiven Prozess und wir konnten spüren, dass dort ein Gruppenwesen genährt wurde, wobei jede*r von uns sich wahrgenommen und wertgeschätzt fühlte.


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