Auswahlkonsensieren – ein simples Beispiel

IMG_1546Am gemeinsamen Arbeitsplatz der Gruppe soll ein Bild aufgehängt werden das von einem regionalen Kunstsammler zur Verfügung gestellt wird. Die Gruppe ist sich einig, dass sie auf jeden Fall eines aufhängen wollen um die Atmosphäre im Raum zu verbessern. Wenn sie sich nicht einigen können entscheidet der Kunstsammler, welches er aufhängen wird. Zur Auswahl stehen 8 verschiedene Bilder.

Bei der sogenannten demokratischen Abstimmung hat jede Person eine Stimme für ihre bevorzugte Option. Die Option, die am meisten Stimmen bekommt, gilt als gewählt. In unserer Beispielgruppe sah die Abstimmung so aus, dass sich die Lieblingsoptionen von den 16 Mitgliedern recht flach verteilen, wahrscheinlich würde es eine Stichwahl zwischen den Optionen E,F und G geben.
Hier zeigt sich, dass das Mehrheitsprinzip wie wir es kennen nicht in der Lage ist, mit vielen Optionen umzugehen – um eine überzeugende Mehrheit zu vereinen muss die Anzahl der Optionen auf 2-3 reduziert werden. Es versagt also bereits bei banalen Fragestellungen.
Häufig erfolgt deswegen eine Stichwahl zwischen den führenden Kandidaten oder es wird direkt eine Ja/Nein Frage gestellt: “Soll DIESES Bild aufgehängt werden? Wer ist dafür, wer dagegen?”)
Auf diese Weise werden zusätzlich künstliche Fronten geschaffen, ich fange an, um Zustimmung für mein Lieblingsbild zu kämpfen, Allianzen zu suchen und gegen andere vorzugehen.

Ganz anders bei der Bewertung mit Widerstandsstimmen. Hier ist die Idee, dass jede/r für jede Option 10 Widerstandsstimmen (W-Stimmen) vergeben kann, und zwar abhängig davon, wie groß die eigenen Bedenken wären, würde diese Option umgesetzt.
Hier zeigt sich am selben Beispiel eine ganz andere Verteilung.
Offensichtlich könnten die meisten Mitglieder der Gruppe mit Bild F ganz gut leben, es hat die wenigsten Widerstände bekommen. Ein Kampf um Zustimmung erübrigt sich, jeder möchte lieber die Widerstände der anderen reduzieren und wird schnell lernen, dass das nur durch Entgegenkommen möglich ist. Auf diese Weise sind vielfältige Optionen möglich, die die Wirklichkeit wesentlich besser abbilden als Schwarz-/Weiße Ja/Nein Fragen. Konflikte werden nicht künstlich erzeugt und verstärkt sondern durch die Systemeigenen Regeln abgebaut.

 

Wenn der Gruppe Geschlossenheit wichtig ist, können die Widerstands-Stimmen gezielt genutzt werden, um die verbleibende Unzufriedenheit auszuräumen:

“Was müsste die Lösung beinhalten, damit du keine Einwände mehr hast?”